Glossar

Reinraumwissen kompakt

Fachbegriffe, Normen und Zusammenhänge einfach und verständlich erklärt.

109 Begriffe

A

Abluft

Luft, die aus dem Reinraum abgeführt wird, um Partikel, Feuchtigkeit oder Schadstoffe kontrolliert zu entfernen.

Airlock / Schleuse

Übergangsbereich zwischen Reinheitszonen, der den Eintrag von Partikeln und Keimen minimiert.

Antistatik

Materialeigenschaft zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung und damit verbundener Partikelanziehung.

B

Befeuchtungssystem

Technische Anlage zur Erhöhung und Regelung der Luftfeuchtigkeit, um definierte klimatische Bedingungen in Räumen oder Reinräumen sicherzustellen.

Bekleidungsschleuse

Bereich, in dem Mitarbeitende Reinraumbekleidung anlegen, bevor sie den Reinraum betreten.

Beleuchtungsstärke

Maß für die auf eine Fläche auftreffende Lichtmenge. Sie wird in Lux (lx) gemessen und beschreibt, wie gut ein Arbeits- oder Raumbereich beleuchtet ist.

BFU (Blower Filter Unit)

Filtereinheit mit hoher Luftleistung zur lokalen Versorgung von Reinräumen mit gefilterter Luft.

Bio-Kontamination

Verunreinigung durch Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Viren.

Bioburden

Gesamtzahl lebensfähiger Mikroorganismen auf Oberflächen, Produkten oder in Prozessen.

Bypass

Umgehungsströmung an Filtern oder Luftkanälen

C

CCS (Contamination Control Strategy)

Ganzheitliche Strategie zur Vermeidung und Beherrschung von Kontaminationen.

Critical Zone

Bereich mit höchstem Kontaminationsrisiko.

D

Dekontamination

Entfernung oder Reduzierung biologischer, chemischer oder partikulärer Verunreinigungen.

Differenzdruck

Druckunterschied zwischen benachbarten Reinraumbereichen zur gezielten Steuerung der Luftströmung.

Downflow

Vertikal gerichtete Luftströmung von der Decke zum Boden zur kontrollierten Partikelabfuhr.

Druckkaskaden

Abgestufte Druckverhältnisse zwischen Räumen, die einen gerichteten Luftstrom von Bereichen mit höherem zu niedrigerem Druck erzeugen und so das Eindringen von Verunreinigungen verhindern.

DQ (Design Qualification)

Dokumentierter Nachweis, dass die Planung einer Anlage oder eines Reinraums die definierten Anforderungen erfüllt.

E

Einbringungskonzept

Festgelegter Ablauf für den kontrollierten Eintrag von Materialien und Betriebsmitteln in den Reinraum.

Endotoxine

Bestandteile abgestorbener Bakterien, die trotz fehlender Lebensfähigkeit biologische Reaktionen auslösen können.

ESD (Electrostatic Discharge)

Elektrostatische Entladung, die sensible Produkte oder Prozesse beeinträchtigen kann.

F

FFU (Fan Filter Unit)

Deckenintegrierte Filter-Ventilator-Einheit zur lokalen Versorgung mit HEPA- oder ULPA-gefilterter Luft.

Filter

Grobstaubfilter (ISO Coarse)
Entfernt grobe Partikel wie Staub und Fasern; dient als Vorfilter.

Feinstaubfilter (ePM1, ePM2,5, ePM10 nach ISO 16890)
Entfernt feine Staubpartikel und schützt nachgeschaltete Filter.

HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air)
Hochleistungs-Schwebstofffilter zur Abscheidung feinster Partikel; Standardfilter in Reinräumen (z. B. H13, H14).

ULPA-Filter (Ultra Low Penetration Air)
Filter mit noch höherem Abscheidegrad als HEPA; für höchste Reinheitsanforderungen (z. B. ISO 1–3).

Aktivkohlefilter
Entfernt gasförmige Verunreinigungen, Gerüche und flüchtige organische Verbindungen (VOC), jedoch keine Partikel.

Filter Integrity Test

Dichtigkeitsprüfung von HEPA- oder ULPA-Filtern zur Sicherstellung ihrer Funktion.

First Air

Ungehinderter Reinluftstrom zum kritischen Produkt oder Prozess.

Feldgeräte

Sensoren und Aktoren, die direkt an der Anlage installiert sind und Messwerte erfassen oder Stellgrößen ausführen, z. B. Temperatur-, Druck- oder Volumenstromsensoren sowie Stellklappen.

Filterdecke

Deckensystem mit integrierten Filtern, Beleuchtung und weiteren Reinraumkomponenten.

G

GMP (Good Manufacturing Practice)

Regelwerk zur Sicherstellung einer gleichbleibend hohen Qualität bei der Herstellung von Arzneimitteln und anderen sensiblen Produkten.

GMP Annex 1

EU-Leitlinie für die Herstellung steriler Arzneimittel und den Betrieb von Reinräumen.

Klasse A/B/C/D - cnc

Graubereich

Vorbereich eines Reinraums mit geringeren Reinheitsanforderungen als der eigentliche Reinraumbereich.

H

HEPA-Filter

Hochleistungs-Partikelfilter mit sehr hoher Abscheideleistung für luftgetragene Partikel.

HVAC

Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage zur Regelung von Temperatur, Feuchte und Luftqualität.

Hygienedesign

Konstruktive Gestaltung von Räumen und Anlagen zur einfachen Reinigung und Vermeidung von Kontaminationsquellen.

Hygienekonzept

Maßnahmen und Abläufe zur Sicherstellung hygienischer Bedingungen im Reinraumbetrieb.

I

IQ (Installation Qualification)

Dokumentierter Nachweis der fachgerechten Installation einer Anlage oder eines Systems.

Isolator

Geschlossenes Barrieresystem zum Schutz hochkritischer Prozesse vor Kontamination.

ISO 14644

Internationale Normenreihe für Planung, Klassifizierung, Betrieb und Überwachung von Reinräumen.

ISO 8

Geringe Reinraumanforderungen; z. B. Vorbereitungs- oder Lagerbereiche.

ISO 7

Standard-Reinraum für viele Produktionsprozesse, z. B. Medizintechnik oder Pharma.

ISO 6

Hohe Reinheit für empfindliche Fertigungs- und Montageprozesse.

ISO 5

Sehr hohe Reinheit; typisch für sterile Abfüllung oder Laminar-Flow-Arbeitsplätze.

ISO 4

Extrem saubere Umgebung für hochpräzise Fertigung und Forschung.

ISO 3

Ultrareiner Reinraum für Spezialanwendungen wie Halbleiterfertigung.

ISO 2

Nahezu partikelfreie Luft; nur für wenige Hightech-Anwendungen.

ISO 1

Höchste Reinraumklasse mit extrem geringer Partikelkonzentration; nur für spezielle Forschungs- und Spitzentechnologien.

ISO 14698

Norm zur mikrobiologischen Kontrolle in Reinräumen.

Intervention

Geplanter oder ungeplanter Eingriff in einen aseptischen Prozess.

K

Keimzahl

Anzahl lebensfähiger Mikroorganismen in Luft, auf Oberflächen oder in Produkten.

Kontamination

Unerwünschte Verunreinigung durch Partikel, Mikroorganismen oder chemische Stoffe.

Partikulare Kontamination:
Verunreinigung durch feste oder flüssige Partikel, z. B. Staub, Fasern oder Abrieb.

Biologische Kontamination:
Verunreinigung durch Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Viren oder deren Bestandteile.

Physikalisch-chemische Kontamination:
Verunreinigung durch chemische Stoffe oder physikalische Einflüsse, z. B. Rückstände, Gase, Dämpfe oder elektrostatische Aufladungen.

Kontaktkontamination:
Verunreinigung durch direkten Kontakt mit Personen, Oberflächen, Werkzeugen oder Materialien.

Luftkontamination:
Verunreinigung durch luftgetragene Partikel, Mikroorganismen oder andere Schadstoffe.

Indirekte Kontamination:
Verunreinigung über einen Zwischenträger, z. B. kontaminierte Gegenstände, Materialien oder Hände.

Kreuzkontamination
Unerwünschte Übertragung von Partikeln, Mikroorganismen oder anderen Verunreinigungen von einem Produkt, Material, Bereich oder Prozess auf einen anderen. Sie wird durch geeignete Reinraum-, Hygiene- und Trennmaßnahmen verhindert.

Kontaminationskontrolle

Maßnahmen zur Vermeidung, Reduzierung und Beherrschung von Kontaminationen.

Kreuzkontamination

Übertragung von Verunreinigungen zwischen Produkten, Prozessen oder Reinraumbereichen.

L

Laminar Flow / Unidirektionale Strömung

Gleichgerichtete, turbulenzarme Luftströmung zur schnellen und kontrollierten Partikelabfuhr.

Lecktest

Prüfung von Filtersystemen oder Reinraumkomponenten auf Undichtigkeiten.

Luftreinheit

Grad der Partikelfreiheit der Luft innerhalb eines Reinraums.

Luftgeschwindigkeit

Geschwindigkeit der Luftströmung im Reinraum.

Luftfeuchte

Gehalt an Wasserdampf in der Luft.

Relative Luftfeuchte:
Verhältnis der tatsächlich enthaltenen Wasserdampfmenge zur maximal möglichen Wasserdampfmenge bei gleicher Temperatur, angegeben in Prozent (%).

Absolute Luftfeuchte:
Tatsächliche Masse des in der Luft enthaltenen Wasserdampfs pro Luftvolumen, angegeben in g/m³.

Luftwechselrate (ACR)

Anzahl der vollständigen Luftwechsel pro Stunde innerhalb eines Reinraums.

Lufttemperatur

Temperatur der Luft an einem bestimmten Ort, gemessen in Grad Celsius (°C) oder Kelvin (K). Sie beeinflusst das Raumklima, den Komfort sowie technische und produktionstechnische Prozesse.

Luftkeimzahl

Anzahl lebensfähiger Mikroorganismen (z. B. Bakterien oder Pilze) in einem definierten Luftvolumen. Sie dient zur Beurteilung der mikrobiologischen Luftqualität.

Luftkeimsammler

Gerät zur Erfassung luftgetragener Mikroorganismen.

Luftvolumenstrom

Luftmenge, die pro Zeiteinheit gefördert wird.

Lüftungsarten

Außenluft:
Luft, die von außerhalb des Gebäudes angesaugt und der Lüftungsanlage zugeführt wird.

Zuluft:
Aufbereitete Luft, die durch die Lüftungsanlage in den Raum eingebracht wird.

Umluft:
Raumluft, die erfasst, gegebenenfalls gefiltert oder konditioniert und erneut in denselben Raum zurückgeführt wird.

Fortluft:
Luft, die aus dem Raum abgeführt und ins Freie abgegeben wird.

M

Materialschleuse

Kontrollierter Übergangsbereich für Materialien zwischen unterschiedlichen Reinheitszonen.

Mikroorganismen

Mikroskopisch kleine Lebewesen wie Bakterien, Pilze, Hefen oder Viren, die Kontaminationen verursachen können.

Monitoring

Kontinuierliche Überwachung definierter Reinraumparameter wie Partikel, Druck, Temperatur oder Feuchte.

N

NIST-Kalibrierung

Rückführbare Kalibrierung von Messgeräten nach internationalen Referenzstandards.

Non-Viable Particles

Nicht lebensfähige luftgetragene Partikel ohne biologische Aktivität.

O

OQ (Operational Qualification)

Dokumentierter Nachweis der ordnungsgemäßen Funktion eines Systems unter definierten Betriebsbedingungen.

P

Partikel

Kleinste feste oder flüssige Teilchen, die die Reinheit der Luft beeinflussen können.

Partikelmessung

Messung der Anzahl und Größe luftgetragener Partikel im Reinraum.

Partikelzähler

Messgerät zur Bestimmung der Partikelanzahl.

Personalschleuse

Kontrollierter Zugang für Mitarbeitende zwischen unterschiedlichen Reinheitsbereichen.

Personenschutz

Maßnahmen zum Schutz von Personen vor gesundheitlichen Gefährdungen durch biologische, chemische oder physikalische Einwirkungen im Arbeitsbereich.

Produktschutz

Maßnahmen zum Schutz von Produkten vor Verunreinigungen oder Kontaminationen, um deren Qualität, Sicherheit und Funktion sicherzustellen.

PQ (Performance Qualification)

Dokumentierter Nachweis der Leistungsfähigkeit eines Systems unter realen Betriebsbedingungen.

Q

Qualifizierung

Dokumentierter Nachweis, dass Anlagen, Systeme oder Prozesse die festgelegten Anforderungen erfüllen.

Qualifizierungsmessungen

Nachweis durch Prüfungen und Messungen, dass Anlagen und Reinräume die festgelegten Anforderungen erfüllen.

Designqualifizierung (DQ):
Dokumentierter Nachweis, dass die geplante Auslegung den festgelegten Anforderungen entspricht.

Installationsqualifizierung (IQ):
Nachweis, dass die Anlage gemäß Spezifikation korrekt installiert wurde.

Funktionsqualifizierung (OQ):
Nachweis, dass die Anlage innerhalb der festgelegten Betriebsgrenzen ordnungsgemäß funktioniert.

Leistungsqualifizierung (PQ):
Nachweis, dass die Anlage unter realen Betriebsbedingungen dauerhaft die geforderte Leistung und Qualität erbringt.

R

Raumluftströmung

Gezielte Bewegung der Luft innerhalb eines Raumes zur Sicherstellung einer gleichmäßigen Luftverteilung sowie zur Abführung von Partikeln, Wärme und Verunreinigungen.

Raumdruck

Luftdruck innerhalb eines Raumes im Vergleich zum Umgebungsdruck. Er wird gezielt geregelt, um definierte Druckverhältnisse und Luftströmungen sicherzustellen.

Reinigungskonzept

Dokumentierter Plan für Reinigung und Desinfektion von Reinräumen und Anlagen.

Reinheitsklasse

Einteilung eines Reinraums nach der maximal zulässigen Partikelkonzentration gemäß ISO 14644-1.

Reinluft

Gefilterte Luft mit definierter Partikelkonzentration zur Versorgung eines Reinraums.

Reinraum

Kontrollierte Umgebung, in der Partikelkonzentration, Temperatur, Feuchte, Druck und – je nach Anwendung – mikrobiologische Belastungen überwacht und geregelt werden.

Reinraumbekleidung

Spezielle Schutzkleidung zur Minimierung des Partikel- und Keimeintrags durch Personen.

Reinraumboden

Fugenarmer, chemikalienbeständiger und leicht zu reinigender Bodenbelag für Reinräume.

Reinraumbetrieb

At-Rest-Zustand – Reinraum betriebsbereit, jedoch ohne Personal.

Operational-Zustand – Reinraum im normalen Produktionsbetrieb mit Personal.

As-Built-Zustand – Reinraum nach Fertigstellung ohne Betriebsmittel oder Persona

Reinraumdecke

Deckensystem mit integrierter Reinraumtechnik wie Filtern, Beleuchtung und Lüftungskomponenten.

Reinraumklasse

Synonym für die Reinheitsklasse eines Reinraums.

Reinraumleuchte

Hygienisch ausgeführte Leuchte für den Einsatz in Reinräumen.

Reinraumpaneele

Hygienische Wand- und Deckenelemente für den modularen Reinraumbau.

Reinraumtür

Dicht schließende Tür mit hygienischem Design für Reinraumbereiche.

Requalifizierung

Regelmäßige Wiederholungsprüfung eines Reinraums zur Bestätigung der normgerechten Funktion.

RLT-Anlage

Raumlufttechnische Anlage zur Luftaufbereitung und Klimatisierung von Reinräumen.

S

Sauberraum

Kontrollierter Produktionsbereich mit geringeren Reinheitsanforderungen als ein Reinraum.

Strömungstechnik

Lehre von der Bewegung und dem Verhalten von Flüssigkeiten und Gasen sowie deren technischen Anwendungen.

Schalldruckpegel

Maß für die Stärke eines Schalls an einem bestimmten Ort. Er wird in Dezibel (dB) angegeben und beschreibt die wahrgenommene Lautstärke.

Schleusenkonzept

Gesamtkonzept für Personen- und Materialschleusen zur Vermeidung von Kontaminationen.

Smoke Study

Sichtbarmachung von Luftströmungen mithilfe von Rauch zur Beurteilung des Strömungsverhaltens.

SOP (Standard Operating Procedure)

Standardisierte Arbeitsanweisung zur Durchführung wiederkehrender Prozesse.

T

Turbulenzarme Verdrängungsströmung

Deutsche Bezeichnung für eine unidirektionale Luftströmung mit minimalen Verwirbelungen.

U

ULPA-Filter

Hochleistungsfilter mit noch höherem Abscheidegrad als ein HEPA-Filter.

Umgebungsmonitoring

Überwachung der mikrobiologischen und partikulären Bedingungen während des Reinraumbetriebs.

Umluft

Bereits gefilterte Luft, die erneut aufbereitet und dem Reinraum zugeführt wird.

V

Validierung

Dokumentierter Nachweis, dass Prozesse unter definierten Bedingungen reproduzierbar die geforderte Qualität liefern.

VHP-Dekontamination

Dekontaminationsverfahren mit verdampftem Wasserstoffperoxid (Vaporized Hydrogen Peroxide).

VDI 2028

Richtlinienreihe des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zur Planung, Errichtung, Qualifizierung, Prüfung und zum Betrieb von Reinräumen und Reinraumbereichen. Sie ergänzt die internationalen ISO-Normen mit praxisnahen technischen Anforderungen und Empfehlungen

Viable Particles

Lebensfähige Mikroorganismen oder Sporen, die mikrobiologische Kontaminationen verursachen können.

VSR (Volumenstromregler)

Regelgerät zur Einstellung und Konstanthaltung des Luftvolumenstroms in Lüftungs- und Klimaanlagen, unabhängig von Druckschwankungen.

Z

Zonenkonzept

Strukturierte Einteilung eines Reinraums in Bereiche unterschiedlicher Reinheitsanforderungen.

Zuluft

Gefilterte und aufbereitete Luft, die kontrolliert in den Reinraum eingebracht wird.

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