Glossar
Reinraumwissen kompakt
Fachbegriffe, Normen und Zusammenhänge einfach und verständlich erklärt.
A
Abluft
Luft, die aus dem Reinraum abgeführt wird, um Partikel, Feuchtigkeit oder Schadstoffe kontrolliert zu entfernen.
Airlock / Schleuse
Übergangsbereich zwischen Reinheitszonen, der den Eintrag von Partikeln und Keimen minimiert.
Antistatik
Materialeigenschaft zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung und damit verbundener Partikelanziehung.
B
Befeuchtungssystem
Technische Anlage zur Erhöhung und Regelung der Luftfeuchtigkeit, um definierte klimatische Bedingungen in Räumen oder Reinräumen sicherzustellen.
Bekleidungsschleuse
Bereich, in dem Mitarbeitende Reinraumbekleidung anlegen, bevor sie den Reinraum betreten.
Beleuchtungsstärke
Maß für die auf eine Fläche auftreffende Lichtmenge. Sie wird in Lux (lx) gemessen und beschreibt, wie gut ein Arbeits- oder Raumbereich beleuchtet ist.
BFU (Blower Filter Unit)
Filtereinheit mit hoher Luftleistung zur lokalen Versorgung von Reinräumen mit gefilterter Luft.
Bio-Kontamination
Verunreinigung durch Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Viren.
Bioburden
Gesamtzahl lebensfähiger Mikroorganismen auf Oberflächen, Produkten oder in Prozessen.
Bypass
Umgehungsströmung an Filtern oder Luftkanälen
C
CCS (Contamination Control Strategy)
Ganzheitliche Strategie zur Vermeidung und Beherrschung von Kontaminationen.
Critical Zone
Bereich mit höchstem Kontaminationsrisiko.
D
Dekontamination
Entfernung oder Reduzierung biologischer, chemischer oder partikulärer Verunreinigungen.
Differenzdruck
Druckunterschied zwischen benachbarten Reinraumbereichen zur gezielten Steuerung der Luftströmung.
Downflow
Vertikal gerichtete Luftströmung von der Decke zum Boden zur kontrollierten Partikelabfuhr.
Druckkaskaden
Abgestufte Druckverhältnisse zwischen Räumen, die einen gerichteten Luftstrom von Bereichen mit höherem zu niedrigerem Druck erzeugen und so das Eindringen von Verunreinigungen verhindern.
DQ (Design Qualification)
Dokumentierter Nachweis, dass die Planung einer Anlage oder eines Reinraums die definierten Anforderungen erfüllt.
E
Einbringungskonzept
Festgelegter Ablauf für den kontrollierten Eintrag von Materialien und Betriebsmitteln in den Reinraum.
Endotoxine
Bestandteile abgestorbener Bakterien, die trotz fehlender Lebensfähigkeit biologische Reaktionen auslösen können.
ESD (Electrostatic Discharge)
Elektrostatische Entladung, die sensible Produkte oder Prozesse beeinträchtigen kann.
F
FFU (Fan Filter Unit)
Deckenintegrierte Filter-Ventilator-Einheit zur lokalen Versorgung mit HEPA- oder ULPA-gefilterter Luft.
Filter
Grobstaubfilter (ISO Coarse)
Entfernt grobe Partikel wie Staub und Fasern; dient als
Vorfilter.
Feinstaubfilter (ePM1, ePM2,5, ePM10 nach ISO 16890)
Entfernt feine Staubpartikel und schützt nachgeschaltete Filter.
HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air)
Hochleistungs-Schwebstofffilter zur Abscheidung feinster
Partikel; Standardfilter in Reinräumen (z. B. H13, H14).
ULPA-Filter (Ultra Low Penetration Air)
Filter mit noch höherem Abscheidegrad als HEPA; für höchste
Reinheitsanforderungen (z. B. ISO 1–3).
Aktivkohlefilter
Entfernt gasförmige Verunreinigungen, Gerüche und flüchtige
organische Verbindungen (VOC), jedoch keine Partikel.
Filter Integrity Test
Dichtigkeitsprüfung von HEPA- oder ULPA-Filtern zur Sicherstellung ihrer Funktion.
First Air
Ungehinderter Reinluftstrom zum kritischen Produkt oder Prozess.
Feldgeräte
Sensoren und Aktoren, die direkt an der Anlage installiert sind und Messwerte erfassen oder Stellgrößen ausführen, z. B. Temperatur-, Druck- oder Volumenstromsensoren sowie Stellklappen.
Filterdecke
Deckensystem mit integrierten Filtern, Beleuchtung und weiteren Reinraumkomponenten.
G
GMP (Good Manufacturing Practice)
Regelwerk zur Sicherstellung einer gleichbleibend hohen Qualität bei der Herstellung von Arzneimitteln und anderen sensiblen Produkten.
GMP Annex 1
EU-Leitlinie für die Herstellung steriler Arzneimittel und den Betrieb von Reinräumen.
Klasse A/B/C/D - cnc
Graubereich
Vorbereich eines Reinraums mit geringeren Reinheitsanforderungen als der eigentliche Reinraumbereich.
H
HEPA-Filter
Hochleistungs-Partikelfilter mit sehr hoher Abscheideleistung für luftgetragene Partikel.
HVAC
Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage zur Regelung von Temperatur, Feuchte und Luftqualität.
Hygienedesign
Konstruktive Gestaltung von Räumen und Anlagen zur einfachen Reinigung und Vermeidung von Kontaminationsquellen.
Hygienekonzept
Maßnahmen und Abläufe zur Sicherstellung hygienischer Bedingungen im Reinraumbetrieb.
I
IQ (Installation Qualification)
Dokumentierter Nachweis der fachgerechten Installation einer Anlage oder eines Systems.
Isolator
Geschlossenes Barrieresystem zum Schutz hochkritischer Prozesse vor Kontamination.
ISO 14644
Internationale Normenreihe für Planung, Klassifizierung, Betrieb und Überwachung von Reinräumen.
ISO 8
Geringe Reinraumanforderungen; z. B. Vorbereitungs- oder Lagerbereiche.
ISO 7
Standard-Reinraum für viele Produktionsprozesse, z. B. Medizintechnik oder Pharma.
ISO 6
Hohe Reinheit für empfindliche Fertigungs- und Montageprozesse.
ISO 5
Sehr hohe Reinheit; typisch für sterile Abfüllung oder Laminar-Flow-Arbeitsplätze.
ISO 4
Extrem saubere Umgebung für hochpräzise Fertigung und Forschung.
ISO 3
Ultrareiner Reinraum für Spezialanwendungen wie Halbleiterfertigung.
ISO 2
Nahezu partikelfreie Luft; nur für wenige Hightech-Anwendungen.
ISO 1
Höchste Reinraumklasse mit extrem geringer Partikelkonzentration; nur für spezielle Forschungs- und Spitzentechnologien.
ISO 14698
Norm zur mikrobiologischen Kontrolle in Reinräumen.
Intervention
Geplanter oder ungeplanter Eingriff in einen aseptischen Prozess.
K
Keimzahl
Anzahl lebensfähiger Mikroorganismen in Luft, auf Oberflächen oder in Produkten.
Kontamination
Unerwünschte Verunreinigung durch Partikel, Mikroorganismen oder chemische Stoffe.
Partikulare Kontamination:
Verunreinigung durch feste oder flüssige Partikel, z. B. Staub,
Fasern oder Abrieb.
Biologische Kontamination:
Verunreinigung durch Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Viren
oder deren Bestandteile.
Physikalisch-chemische Kontamination:
Verunreinigung durch chemische Stoffe oder physikalische
Einflüsse, z. B. Rückstände, Gase, Dämpfe oder elektrostatische
Aufladungen.
Kontaktkontamination:
Verunreinigung durch direkten Kontakt mit Personen, Oberflächen,
Werkzeugen oder Materialien.
Luftkontamination:
Verunreinigung durch luftgetragene Partikel, Mikroorganismen
oder andere Schadstoffe.
Indirekte Kontamination:
Verunreinigung über einen Zwischenträger, z. B. kontaminierte
Gegenstände, Materialien oder Hände.
Kreuzkontamination
Unerwünschte Übertragung von Partikeln, Mikroorganismen oder
anderen Verunreinigungen von einem Produkt, Material, Bereich
oder Prozess auf einen anderen. Sie wird durch geeignete
Reinraum-, Hygiene- und Trennmaßnahmen verhindert.
Kontaminationskontrolle
Maßnahmen zur Vermeidung, Reduzierung und Beherrschung von Kontaminationen.
Kreuzkontamination
Übertragung von Verunreinigungen zwischen Produkten, Prozessen oder Reinraumbereichen.
L
Laminar Flow / Unidirektionale Strömung
Gleichgerichtete, turbulenzarme Luftströmung zur schnellen und kontrollierten Partikelabfuhr.
Lecktest
Prüfung von Filtersystemen oder Reinraumkomponenten auf Undichtigkeiten.
Luftreinheit
Grad der Partikelfreiheit der Luft innerhalb eines Reinraums.
Luftgeschwindigkeit
Geschwindigkeit der Luftströmung im Reinraum.
Luftfeuchte
Gehalt an Wasserdampf in der Luft.
Relative Luftfeuchte:
Verhältnis der tatsächlich enthaltenen Wasserdampfmenge zur
maximal möglichen Wasserdampfmenge bei gleicher Temperatur,
angegeben in Prozent (%).
Absolute Luftfeuchte:
Tatsächliche Masse des in der Luft enthaltenen Wasserdampfs pro
Luftvolumen, angegeben in g/m³.
Luftwechselrate (ACR)
Anzahl der vollständigen Luftwechsel pro Stunde innerhalb eines Reinraums.
Lufttemperatur
Temperatur der Luft an einem bestimmten Ort, gemessen in Grad Celsius (°C) oder Kelvin (K). Sie beeinflusst das Raumklima, den Komfort sowie technische und produktionstechnische Prozesse.
Luftkeimzahl
Anzahl lebensfähiger Mikroorganismen (z. B. Bakterien oder Pilze) in einem definierten Luftvolumen. Sie dient zur Beurteilung der mikrobiologischen Luftqualität.
Luftkeimsammler
Gerät zur Erfassung luftgetragener Mikroorganismen.
Luftvolumenstrom
Luftmenge, die pro Zeiteinheit gefördert wird.
Lüftungsarten
Außenluft:
Luft, die von außerhalb des Gebäudes angesaugt und der
Lüftungsanlage zugeführt wird.
Zuluft:
Aufbereitete Luft, die durch die Lüftungsanlage in den Raum
eingebracht wird.
Umluft:
Raumluft, die erfasst, gegebenenfalls gefiltert oder
konditioniert und erneut in denselben Raum zurückgeführt wird.
Fortluft:
Luft, die aus dem Raum abgeführt und ins Freie abgegeben wird.
M
Materialschleuse
Kontrollierter Übergangsbereich für Materialien zwischen unterschiedlichen Reinheitszonen.
Mikroorganismen
Mikroskopisch kleine Lebewesen wie Bakterien, Pilze, Hefen oder Viren, die Kontaminationen verursachen können.
Monitoring
Kontinuierliche Überwachung definierter Reinraumparameter wie Partikel, Druck, Temperatur oder Feuchte.
N
NIST-Kalibrierung
Rückführbare Kalibrierung von Messgeräten nach internationalen Referenzstandards.
Non-Viable Particles
Nicht lebensfähige luftgetragene Partikel ohne biologische Aktivität.
O
OQ (Operational Qualification)
Dokumentierter Nachweis der ordnungsgemäßen Funktion eines Systems unter definierten Betriebsbedingungen.
P
Partikel
Kleinste feste oder flüssige Teilchen, die die Reinheit der Luft beeinflussen können.
Partikelmessung
Messung der Anzahl und Größe luftgetragener Partikel im Reinraum.
Partikelzähler
Messgerät zur Bestimmung der Partikelanzahl.
Personalschleuse
Kontrollierter Zugang für Mitarbeitende zwischen unterschiedlichen Reinheitsbereichen.
Personenschutz
Maßnahmen zum Schutz von Personen vor gesundheitlichen Gefährdungen durch biologische, chemische oder physikalische Einwirkungen im Arbeitsbereich.
Produktschutz
Maßnahmen zum Schutz von Produkten vor Verunreinigungen oder Kontaminationen, um deren Qualität, Sicherheit und Funktion sicherzustellen.
PQ (Performance Qualification)
Dokumentierter Nachweis der Leistungsfähigkeit eines Systems unter realen Betriebsbedingungen.
Q
Qualifizierung
Dokumentierter Nachweis, dass Anlagen, Systeme oder Prozesse die festgelegten Anforderungen erfüllen.
Qualifizierungsmessungen
Nachweis durch Prüfungen und Messungen, dass Anlagen und Reinräume die festgelegten Anforderungen erfüllen.
Designqualifizierung (DQ):
Dokumentierter Nachweis, dass die geplante Auslegung den
festgelegten Anforderungen entspricht.
Installationsqualifizierung (IQ):
Nachweis, dass die Anlage gemäß Spezifikation korrekt
installiert wurde.
Funktionsqualifizierung (OQ):
Nachweis, dass die Anlage innerhalb der festgelegten
Betriebsgrenzen ordnungsgemäß funktioniert.
Leistungsqualifizierung (PQ):
Nachweis, dass die Anlage unter realen Betriebsbedingungen
dauerhaft die geforderte Leistung und Qualität erbringt.
R
Raumluftströmung
Gezielte Bewegung der Luft innerhalb eines Raumes zur Sicherstellung einer gleichmäßigen Luftverteilung sowie zur Abführung von Partikeln, Wärme und Verunreinigungen.
Raumdruck
Luftdruck innerhalb eines Raumes im Vergleich zum Umgebungsdruck. Er wird gezielt geregelt, um definierte Druckverhältnisse und Luftströmungen sicherzustellen.
Reinigungskonzept
Dokumentierter Plan für Reinigung und Desinfektion von Reinräumen und Anlagen.
Reinheitsklasse
Einteilung eines Reinraums nach der maximal zulässigen Partikelkonzentration gemäß ISO 14644-1.
Reinluft
Gefilterte Luft mit definierter Partikelkonzentration zur Versorgung eines Reinraums.
Reinraum
Kontrollierte Umgebung, in der Partikelkonzentration, Temperatur, Feuchte, Druck und – je nach Anwendung – mikrobiologische Belastungen überwacht und geregelt werden.
Reinraumbekleidung
Spezielle Schutzkleidung zur Minimierung des Partikel- und Keimeintrags durch Personen.
Reinraumboden
Fugenarmer, chemikalienbeständiger und leicht zu reinigender Bodenbelag für Reinräume.
Reinraumbetrieb
At-Rest-Zustand – Reinraum betriebsbereit, jedoch ohne Personal.
Operational-Zustand – Reinraum im normalen Produktionsbetrieb mit Personal.
As-Built-Zustand – Reinraum nach Fertigstellung ohne Betriebsmittel oder Persona
Reinraumdecke
Deckensystem mit integrierter Reinraumtechnik wie Filtern, Beleuchtung und Lüftungskomponenten.
Reinraumklasse
Synonym für die Reinheitsklasse eines Reinraums.
Reinraumleuchte
Hygienisch ausgeführte Leuchte für den Einsatz in Reinräumen.
Reinraumpaneele
Hygienische Wand- und Deckenelemente für den modularen Reinraumbau.
Reinraumtür
Dicht schließende Tür mit hygienischem Design für Reinraumbereiche.
Requalifizierung
Regelmäßige Wiederholungsprüfung eines Reinraums zur Bestätigung der normgerechten Funktion.
RLT-Anlage
Raumlufttechnische Anlage zur Luftaufbereitung und Klimatisierung von Reinräumen.
S
Sauberraum
Kontrollierter Produktionsbereich mit geringeren Reinheitsanforderungen als ein Reinraum.
Strömungstechnik
Lehre von der Bewegung und dem Verhalten von Flüssigkeiten und Gasen sowie deren technischen Anwendungen.
Schalldruckpegel
Maß für die Stärke eines Schalls an einem bestimmten Ort. Er wird in Dezibel (dB) angegeben und beschreibt die wahrgenommene Lautstärke.
Schleusenkonzept
Gesamtkonzept für Personen- und Materialschleusen zur Vermeidung von Kontaminationen.
Smoke Study
Sichtbarmachung von Luftströmungen mithilfe von Rauch zur Beurteilung des Strömungsverhaltens.
SOP (Standard Operating Procedure)
Standardisierte Arbeitsanweisung zur Durchführung wiederkehrender Prozesse.
T
Turbulenzarme Verdrängungsströmung
Deutsche Bezeichnung für eine unidirektionale Luftströmung mit minimalen Verwirbelungen.
U
ULPA-Filter
Hochleistungsfilter mit noch höherem Abscheidegrad als ein HEPA-Filter.
Umgebungsmonitoring
Überwachung der mikrobiologischen und partikulären Bedingungen während des Reinraumbetriebs.
Umluft
Bereits gefilterte Luft, die erneut aufbereitet und dem Reinraum zugeführt wird.
V
Validierung
Dokumentierter Nachweis, dass Prozesse unter definierten Bedingungen reproduzierbar die geforderte Qualität liefern.
VHP-Dekontamination
Dekontaminationsverfahren mit verdampftem Wasserstoffperoxid (Vaporized Hydrogen Peroxide).
VDI 2028
Richtlinienreihe des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zur Planung, Errichtung, Qualifizierung, Prüfung und zum Betrieb von Reinräumen und Reinraumbereichen. Sie ergänzt die internationalen ISO-Normen mit praxisnahen technischen Anforderungen und Empfehlungen
Viable Particles
Lebensfähige Mikroorganismen oder Sporen, die mikrobiologische Kontaminationen verursachen können.
VSR (Volumenstromregler)
Regelgerät zur Einstellung und Konstanthaltung des Luftvolumenstroms in Lüftungs- und Klimaanlagen, unabhängig von Druckschwankungen.
Z
Zonenkonzept
Strukturierte Einteilung eines Reinraums in Bereiche unterschiedlicher Reinheitsanforderungen.
Zuluft
Gefilterte und aufbereitete Luft, die kontrolliert in den Reinraum eingebracht wird.
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